21. Oktober 2010

Frauendomäne des BRK-Betreuungsdienst

Kategorie: Allgemein — Timor @ 14:46
Immer mehr Männer wagen sich in die berüchtigte Frauendomäne des BRK-Betreuungsdienst vor.
 

Hier haben die Frauen im Roten Kreuz die Hosen an: Der Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften im Berchtesgadener Land ist seit Jahren fest in weiblicher Hand; die Arbeit der energischen Damentruppe rund um Fachdienstleiterin Petra Rautter und Ausbilderin Christa Glaser besteht aber aus weitaus mehr als Hausfrauenkunst an der Gulaschkanone. Die freiwilligen Rotkreuzlerinnen kümmern sich bei größeren Schadensereignissen um die oft zahlreichen Betroffenen und Unverletzten, sorgen für Verpflegung, Soziales und Unterkunft. Auch immer mehr interessierte Männer wagen sich zaghaft in die vermeintliche Frauendomäne vor.

 

 

Im Schatten der Aufmerksamkeit

 

Rotkreuz-Arbeit ist weitaus mehr als Rettungsdienst oder Sanitätsdienst; wir haben ein komplexes und abgestuftes Hilfeleistungssystem, in dem auch Betroffene und Unverletzte nicht vergessen werden“, erklärt Kreisbereitschaftsleiter Andreas Rautter. Der Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften steht oft im Schatten der Aufmerksamkeit, wenn es bei einem Unglück Tote und Verletzte gibt. Die Helfer müssen sich im Einsatzfall aber auch um die Unterkunft und Versorgung von Unverletzten und evakuierten Menschen kümmern. Hier beginnt die Arbeit von Petra Rautter und ihrem Team: Die Einsatzkräfte sorgen mit ihrer Feldküche für die Massenverpflegung und können mit Zelten und Feldbetten eine vorübergehende Notunterkunft einrichten. Im Berchtesgadener Land betreiben die BRK-Bereitschaften an sechs Standorten Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n), die bei größeren Schadenslagen unter anderem die Aufgaben im Sanitäts- und Betreuungsdienst übernehmen.

 

Da bekommt mancher Mann schnell Angst

 

Beim uns sind aber nicht nur Sanitäter gefragt. Wir haben Anfragen von Männern und Frauen über 50, die sich für etwas wirklich Sinnvolles und Wichtiges ehrenamtlich einsetzen wollen, denen die Arbeit an vorderster Front am schwer Verletzten oder erkrankten Patienten aber einfach zu nervenaufreibend ist. Im Betreuungsdienst blühen sie dann auf“, freut sich Rautter, die ihr Team gerne weiter ausbauen würde und laufend externe Interessierte sucht, die die Arbeit im Roten Kreuz näher kennenlernen wollen. Bei so viel amazonenhafter Frauenpower bekommt mancher Mann schnell Angst; und tatsächlich: In der von Herren dominierten Welt der Einsatzorganisationen hatten es die Damen aus Teisendorf nicht immer leicht. Sie mussten gegen Vorurteile ankämpfen, viel Überzeugungsarbeit leisten und besser sein, als ihre männlichen Kollegen. Im Stüberl des Ainringer Rotkreuz-Heims hängen ein paar Eisenhandschellen, darunter steht auf einem Schild mit einer Kette „Vorsicht, bissige Küchenchefin! Fachdienstleiterin Betreuungsdienst Christa Glaser“. Das Relikt aus alten Zeiten ist ein Geschenk des damaligen Kreisbereitschaftsleiters Ludwig Wetzelsberger, der die mythenbehafteten Betreuungsfrauen damit am liebsten symbolisch an ihren Feldhochherd fesseln wollte. Der energische Umgangston im Küchenteam und die Arbeit streng nach Hygienevorschriften bei der Essensausgabe war manchem altgedienten Sanitäter damals noch zu viel des Guten. Mittlerweile arbeitet Wetzelsberger selbst begeistert bei der „bissigen Küchenchefin“ mit und die professionelle Arbeitsweise ist längst Standard. „Massenverpflegung ist ein sensibler Bereich; ohne eine strikte Führung und die entsprechende Planung geht da nichts“, erklärt Ausbilderin Christa Glaser, die Mutter des Betreuungsdienstes im Landkreis, die den Fachdienst mit der notwendigen Disziplin und Zielstrebigkeit über Jahre hinweg aufgebaut hat.

weiterlesen und quelle: http://www.wochenblatt.de/nachrichten/bgl/regionales/Vorsicht-bissige-Kuechenchefin-;art66,21588