17. November 2010

Licht der Welt

Kategorie: Allgemein — Timor @ 14:53

Nach Äußerungen des Papstes in seinem Interview-Buch „Licht der Welt“ zum Gebrauch von Kondomen hat sich Vatikansprecher Federico Lombardi am Sonntag mit einer Erklärung zu Wort gemeldet. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert Auszüge des Textes in eigener Übersetzung:

Erklärung von Pater Lombardi zu den Äußerungen des Papstes zur Frage über Präservative

Am Ende des zehnten Kapitels des Buches „Licht der Welt“ antwortet der Papst auf zwei Fragen zum Kampf gegen Aids und den Gebrauch des Präservativs; Fragen, die in Verbindung stehen mit der Diskussion, die auf einige Äußerungen des Papstes zu diesem Thema bei seiner Reise nach Afrika 2009 folgte.

Der Papst unterstreicht in klarer Weise, dass er keine Position zur Kondom-Problematik generell beziehen wollte. Vielmehr wollte er mit Nachdruck deutlich machen, dass sich das Aids-Problem nicht mit Verteilung von Kondomen allein lösen lässt, sondern dass es viel mehr braucht: vorbeugen, erziehen helfen, beraten, Personen nahe stehen, damit sie nicht krank werden, aber auch wenn sie bereits erkrankt sind.

Im Licht dieser weiten und tiefen Vision von menschlicher Sexualität sowie der heutigen Problematik bestätigt der Papst, dass „die Kirche natürlich Kondome nicht als wirkliche und moralische Lösungen“ der Aids-Problematik betrachtet.

Damit reformiert oder ändert der Papst nicht die Lehre der Kirche. Vielmehr bestätigt er sie, indem er sie in die Perspektive des Werts und der Würde der menschlichen Sexualität als Ausdruck von Liebe und Verantwortung stellt.

Gleichzeitig erörtert der Papst eine Ausnahmesituation, in der die Ausübung der Sexualität ein echtes Risiko für das Leben des anderen darstellt. In diesem Fall gibt der Papst keine moralische Rechtfertigung zu einer regellosen Ausübung der Sexualität, sondern glaubt, dass der Gebrauch des Präservativs, um die Ansteckungsgefahr zu senken, „ein erstes Stück Verantwortung“ sei, „ein erster Schritt auf dem Weg hin zu einer menschlicheren Sexualität“ — statt den anderen einem Lebensrisiko auszusetzen.

Daher kann die Argumentation des Papstes bestimmt nicht als eine revolutionäre Wende definiert werden.

Zahlreiche Moraltheologen und angesehene kirchliche Persönlichkeiten haben analoge Positionen vertreten und vertreten sie weiterhin. Es ist allerdings richtig, dass wir sie noch nicht mit dieser Klarheit aus dem Mund eines Papstes gehört haben, auch wenn sie in einem Gespräch und nicht lehramtlich erfolgte.

Benedikt XVI. gibt uns also mutig einen wichtigen Beitrag der Klärung und Vertiefung zu einer seit langem diskutierten Frage. Es ist ein originaler Beitrag, weil er einerseits an der Treue zu Moralprinzipien festhält und Klarheit beim Zurückweisen eines illusionären Wegs beweist, wie dem des „Vertrauens in das Präservativ“. Zum anderen bekundet er aber eine verständnisvolle und weitsichtige Vision, die für die Entdeckung kleiner Schritte offen ist- auch wenn erst anfänglich und noch unscharf — von einer Menschlichkeit, die geistig wie kulturell oft arm ist, hin zu einem menschlicheren und verantwortlichen Verständnis der Sexualität.

quelle: http://www.schwaebische.de/deutschland+welt/politik/politik-aktuell_artikel,-%E2%80%9EKeine-revolutionaere-Wende%E2%80%9C-Stellungnahme-von-Vatikansprecher-Lombardi-zu-Kondomen-_arid,4193838.html