16. Oktober 2010

Oberbürgermeisterin besucht beschmierte Moschee

Kategorie: Allgemein — Timor @ 14:45

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und die städtische Integrationsbeauftragte Sholeh Sharifi haben am Mittwoch die Buhara-Moschee in der Marburger Straße besucht, um mit den Mitgliedern des Gemeindevorstandes über den Vorfall vom Wochenende zu sprechen, als das muslimische Gotteshaus mit ausländerfeindlicher Parolen und Nazi-Symbolen beschmiert worden war. In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatten unbekannte Täter mit blauer Farbe mehrere Hakenkreuze und den Spruch »Ausländer raus« sowie »Es geht los« auf die Fassade der Moschee gesprüht. Nach Polizeiangaben waren in der gleichen Nacht auch ein naher Verbrauchermarkt in der Marburger Straße und ein Wohnhaus in der Gartenstraße beschmiert worden.

»Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus haben in unserer Stadt keinen Platz«, stellte die Oberbürgermeisterin nach dem Besuch in einer Presseerklärung fest. Grabe-Bolz sieht »einen gezielten Angriff gegen die Menschlichkeit« und einen zeitlichen Zusammenhang zum Datum 9. November, an dem in jedem Jahr in Deutschland an die Judenpogrome von 1938 erinnert wird.

Moscheevorstand Günef zeigte sich erfreut über den Besuch des Stadtoberhauptes und betonte, dass sich die Gemeinde dadurch unterstützt fühle. »Wir sind nicht alleine. Das ist ein gutes Gefühl«, meinte Günef. Seitens der Gemeinde bedauere man den Vorfall, denn gerade die Buhara-Moschee stehe für eine intensive und langjährige Integrationsarbeit.

Integrationsbeauftragte Sharifi wertete die Aktion als »rechtsradikalen Akt« gegen sämtliche Gießener/innen mit Migrationshintergrund und hob hervor, dass dies in keiner Weise von der Stadtgesellschaft geduldet werde.

Tanriverdi: Übergriffe nahmen zuletzt zu

Bereits am Dienstag hatte sich der Gießener SPD-Stadtverordnete und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, Mehmet Tanriverdi, in einer Erklärung »entsetzt« über die Farbattacke auf die Moschee gezeigt. Tanriverdi sieht einen Zusammenhang zwischen dem Vorfall und Zuspitzungen in der durch Thilo Sarrazins Buchveröffentlichung ausgelösten Integrationsdebatte. »Es ist seitdem bundesweit eine Zunahme von rassistischen Übergriffen gegen Migranten und islamische Gruppierungen zu beobachten«, erklärte Tanriverdi, der zur Wachsamkeit aufrief.

Zu korrigieren ist eine Fehlinformation in dem AZ-Bericht vom Dienstag. Der Verein der Buhara-Moschee gehört nicht zur Dachorganisation DITIB, sondern eine andere muslimische Gemeinde, die aber auch in der Marburger Straße beheimatet ist.

quelle: http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Stadt/Uebersicht/Artikel,-Oberbuergermeisterin-besucht-beschmierte-Moschee-_arid,219428_regid,1_puid,1_pageid,113.html