6. September 2010

Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Toleranz

Kategorie: Allgemein — Timor @ 14:33

 Die Fenster des Freimaurer-Tempels sind mit schweren blauen Stoffen verhangen. Kerzenlicht flackert durch den Raum. Die Decke ziert ein nächtlicher Sternenhimmel. Auf einem massiven Holztisch liegen Bibel, Koran und Thora. Daneben Zirkel, Winkelmaß und ein Schwert. Der Eingang zum Tempel wird geöffnet und herein treten feierlichen Schrittes in schwarze Anzüge gekleidete Männer. Es sind die neugewählten Amtsträger der „Luftbrücke Lodge No. 838“. In einer zeremoniellen Prozedur wurden sie am Sonntag in ihr Amt eingesetzt.

„Meister vom Stuhl“

Zehn Ämter wurden neu besetzt, darunter auch der Vorsitzende, der sogenannte „Meister vom Stuhl“. Gewählt und von seinem kommissarischen Vorgänger und dem Zeremonienmeister auf den Stuhl gehoben wurde der Australier Douglas Gardner. Weitere neubesetzte Ämter sind Aufseher, Schatzmeister und Sekretär. Daneben gibt es auch einen Wachhabenden, der mit einem Schwert bewaffnet den Eingang im Auge hat.

Zuvor wurde noch ein Gebet an den „Allmächtigen Baumeister aller Welten“ gerichtet. „Damit ist keine bestimmte Religion gemeint, sondern der Begriff steht symbolisch für den Glauben des Einzelnen“, erklärte Matthias Hartmann, der ebenfalls als Marschall in den Vorstand der Loge gewählt wurde. Die Religionszugehörigkeit spiele in der Freimaurer-Loge keine Rolle. „Das Mitglied muss aber die ethischen Ziele der Freimaurerei achten und für sich und die Gesellschaft umsetzen“, so Hartmann. Mitglied könne jeder „freie Mann von gutem Ruf“ werden, zitierte er die Satzung. „Den guten Ruf setzen wir heutzutage voraus, als freien Mann bezeichnen wir jemanden, der sich ohne Vorurteile eine Meinung bilden kann.“

Die Freimaurer-Loge „Luftbrücke Lodge No. 838“ wurde 1957 von amerikanischen Freimaurern gegründet, die als Soldaten an der Berliner Luftbrücke von 1948 bis 1949 beteiligt waren. Heute hat die Loge weltweit 187 „Brüder“, davon 30 in Wiesbaden. Längst beschränkt sich der Mitgliederkreis nicht mehr nur auf Militärpersonal. Außerdem sind neben Amerikanern und Deutschen auch zahlreiche Mitglieder aus anderen Nationen wie Frankreich, Griechenland oder der Türkei Teil der Loge. Trotzdem ist die „Amtssprache“ weiterhin Englisch. Und auch die Rituale, die sich von Land zu Land unterscheiden, sind der amerikanischen Praxis entlehnt. Trotz sich hartnäckig haltender Gerüchte hätten die Freimaurer keinen Einfluss auf Gesellschaft und Politik, erklärte Hartmann. Aber auch hier gäbe es in anderen Ländern verschiedene Haltungen. „Im romanischen Stil setzt sich die Loge aktiv für Republik und Demokratie ein“, so der Freimaurer. In Deutschland sei man da zurückhaltender. „Hier liegt es am Einsatz des Einzelnen für Brüderlichkeit, Menschlichkeit, Toleranz und soziale Gerechtigkeit.“

Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/9356721.htm